Parawissenschaft: Unterschied zwischen den Versionen

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* "''Im frühen 19. Jahrhundert gehörte es zum [http://de.wikipedia.org/wiki/Konsens Konsens] der Wissenschaftler jener Zeit, dass es im Weltraum keine Gesteinsbrocken gäbe. Daher wurden alle Entdeckungen oder Beobachtungen niedergegangener, eisenhaltiger Steine von der Hand gewiesen. Wusste doch jedermann, dass dies nur wertloser Aberglaube von Bauern war. Damals bewegten >[http://de.wikipedia.org/wiki/Meteorit Meteoriten]< sich im selben Bereich von Pseudowissenschaft / Parawissenschaft, wie heute die Entführungen durch UFOs und Yeti-Sichtungen. Doch langfristig fand man heraus, dass die Auffassung des wissenschaftlichen Mainstreams schrecklich falsch war: [http://de.wikipedia.org/wiki/Meteorit Meteoriten] waren keine Wahnvorstellung. Bedeutende Museen, die ihre >pseudowissenschaftlichen< [http://de.wikipedia.org/wiki/Meteorit Meteoriten]-Sammlungen Mitte des 19. Jahrhunderts entsorgt hatten, bedauerten ihr voreiliges Handeln. War nun, bevor  die wissenschaftliche Mehrheitsmeinung sich änderte, das Studium von Meteoriten eine Art Pseudowissenschaft? Nein, natürlich nicht. Die Gesteinsbrocken waren real, auch wenn ihre Existenz und ihr Studium als abergäubischer Unsinn verunglimpft wurden. Sie wurden ''[einfach]'' außerhalb der Grenzen wissenschaftlich akzeptierter Fakten gehalten. [http://de.wikipedia.org/wiki/Meteorit Meteoriten] waren >Parawissenschaft<; sie waren noch-nicht-legitimierte Wissenschaft.''" <ref>Quelle: "[http://home.um.edu.mt/biology/Society/interest_files/Presentation1.ppt Parascience - University of Malta]" (Microsoft Powerpoint Präsentation, 364 KB), bei: [http://www.um.edu.mt/ University of Malta]; Übersetzung ins Deutsche durch ''Atlantisforschung.de''</ref>  
 
* "''Im frühen 19. Jahrhundert gehörte es zum [http://de.wikipedia.org/wiki/Konsens Konsens] der Wissenschaftler jener Zeit, dass es im Weltraum keine Gesteinsbrocken gäbe. Daher wurden alle Entdeckungen oder Beobachtungen niedergegangener, eisenhaltiger Steine von der Hand gewiesen. Wusste doch jedermann, dass dies nur wertloser Aberglaube von Bauern war. Damals bewegten >[http://de.wikipedia.org/wiki/Meteorit Meteoriten]< sich im selben Bereich von Pseudowissenschaft / Parawissenschaft, wie heute die Entführungen durch UFOs und Yeti-Sichtungen. Doch langfristig fand man heraus, dass die Auffassung des wissenschaftlichen Mainstreams schrecklich falsch war: [http://de.wikipedia.org/wiki/Meteorit Meteoriten] waren keine Wahnvorstellung. Bedeutende Museen, die ihre >pseudowissenschaftlichen< [http://de.wikipedia.org/wiki/Meteorit Meteoriten]-Sammlungen Mitte des 19. Jahrhunderts entsorgt hatten, bedauerten ihr voreiliges Handeln. War nun, bevor  die wissenschaftliche Mehrheitsmeinung sich änderte, das Studium von Meteoriten eine Art Pseudowissenschaft? Nein, natürlich nicht. Die Gesteinsbrocken waren real, auch wenn ihre Existenz und ihr Studium als abergäubischer Unsinn verunglimpft wurden. Sie wurden ''[einfach]'' außerhalb der Grenzen wissenschaftlich akzeptierter Fakten gehalten. [http://de.wikipedia.org/wiki/Meteorit Meteoriten] waren >Parawissenschaft<; sie waren noch-nicht-legitimierte Wissenschaft.''" <ref>Quelle: "[http://home.um.edu.mt/biology/Society/interest_files/Presentation1.ppt Parascience - University of Malta]" (Microsoft Powerpoint Präsentation, 364 KB), bei: [http://www.um.edu.mt/ University of Malta]; Übersetzung ins Deutsche durch ''Atlantisforschung.de''</ref>  
  
Halten wir hier zunächst die höchst interessante Definition von '''Parawissenschaft''' als "''noch-nicht-legitimierte Wissenschaft''" fest, die sich offenbar
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[[Bild:Meteorit Pseudowissenschaft.jpg|thumb|'''Abb. 3''' Mitte des 19. Jahrhunderts "wusste" man in der Welt der Wissenschaft, dass keine Steine vom Himmel fallen.]]
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Wir bemerken hier zunächst die, fast 'zwischen den Zeilen' versteckte, Definition von '''Parawissenschaft''' als "''noch-nicht-legitimierte Wissenschaft''", welche sich offenbar - und das unterscheidet sie von den bisherigen, an einer wissenschaftsgeschichtlichen Betrachtungsweise orientiert. Allerdings stellt sich uns bei einer derartigen Verwendung des Begriffs die Frage, wo genau die Unterschiede zwischen "'''Parawissenschaft'''" und "[[Protowissenschaft]]" liegen sollen. Beide [http://de.wikipedia.org/wiki/Terminus_technicus Termini] würden ja eine im Werden begriffene Vorform "ausgereifter" 'Normalwissenschaft' im Sinne [http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_S._Kuhn Thomas S. Kuhns] <ref>Siehe: [http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_S._Kuhn Thomas S. Kuhn], "[http://books.google.de/books?id=jq36OAAACAAJ&dq=Die+Struktur+wissenschaftlicher+Revolutionen Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen]", Suhrkamp 1967</ref> beschreiben. Sollten sie also das selbe meinen, wäre einer der beiden schlichtweg überflüssig; sollten sie aber nur ähnlich sein, stellt sich die Frage nach den Unterschieden in ihrer Bedeutung. Haben wir es beispielsweise bei "'''Parawissenschaft'''" mit quasi im "Embryonalstadium" befindlicher, bei "[[Protowissenschaft]]" dagegen mit "kindlicher" oder "jugendlicher" Wissenschaft" zu tun?
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Doch kommen wir zurück zu unserem wissenschaftsgeschichtlichen Betrachtungsversuch des Definitions-Problems in Sachen '''Parawissenschaft''', und widmen wir nun dem zweiten historischen Beispiel, das uns die Forscher der [http://www.um.edu.mt/ University of Malta] vorstellen:
  
 
* "''Zur Jahrhundertwende'' [19./20. Jahrh.] '' galt die Herstellung von bemannten Flugmaschinen unter Verwendung zeitgenössischer Technologie als Unmöglichkeit. [http://de.wikipedia.org/wiki/Simon_Newcomb S. Newcomb] hatte dies bewiesen, und die Scientific community betrachtete >Flugmaschinen<-Erfinder mit Verächtlichkeit. Demzufolge betrieben [http://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Pierpont_Langley Langley] und die [http://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCder_Wright Gebrüder Wright] keine >Wissenschaft<, da die Dinge, die sie versuchten, als unmöglich bekannt waren. Kaum ein Wissenschaftler aus jener Zeit hätte ihre Bemühungen als etwas betrachtet, was mit legitimer Wissenschaft zu tun hat. Doch mit der Zeit erwies sich, dass der Konsens falsch war, und Aerodynamik wurde schließlich in der ''[wissenschaftlichen]'' Gemeinde willkommen geheißen. 1900 stand Aerodynamik also außerhalb der Grenzen vernünftiger Wissenschaft, sie war >Parawissenschaft<. Wenn hingegen die Naturgesetze nur ein klein wenig anders gewesen wären, und die [http://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCder_Wright Wrights] sich zum Narren gemacht hätten, dann wären Flugzeuge noch heute ein Ding der Unmöglichkeit, und ihr Werk würde noch immer als Narretei, als >Pseudowissenschaft< klassifiziert werden.''" <ref>Quelle: "[http://home.um.edu.mt/biology/Society/interest_files/Presentation1.ppt Parascience - University of Malta]" (Microsoft Powerpoint Präsentation, 364 KB), bei: [http://www.um.edu.mt/ University of Malta]; Übersetzung ins Deutsche durch ''Atlantisforschung.de''</ref>
 
* "''Zur Jahrhundertwende'' [19./20. Jahrh.] '' galt die Herstellung von bemannten Flugmaschinen unter Verwendung zeitgenössischer Technologie als Unmöglichkeit. [http://de.wikipedia.org/wiki/Simon_Newcomb S. Newcomb] hatte dies bewiesen, und die Scientific community betrachtete >Flugmaschinen<-Erfinder mit Verächtlichkeit. Demzufolge betrieben [http://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Pierpont_Langley Langley] und die [http://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCder_Wright Gebrüder Wright] keine >Wissenschaft<, da die Dinge, die sie versuchten, als unmöglich bekannt waren. Kaum ein Wissenschaftler aus jener Zeit hätte ihre Bemühungen als etwas betrachtet, was mit legitimer Wissenschaft zu tun hat. Doch mit der Zeit erwies sich, dass der Konsens falsch war, und Aerodynamik wurde schließlich in der ''[wissenschaftlichen]'' Gemeinde willkommen geheißen. 1900 stand Aerodynamik also außerhalb der Grenzen vernünftiger Wissenschaft, sie war >Parawissenschaft<. Wenn hingegen die Naturgesetze nur ein klein wenig anders gewesen wären, und die [http://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCder_Wright Wrights] sich zum Narren gemacht hätten, dann wären Flugzeuge noch heute ein Ding der Unmöglichkeit, und ihr Werk würde noch immer als Narretei, als >Pseudowissenschaft< klassifiziert werden.''" <ref>Quelle: "[http://home.um.edu.mt/biology/Society/interest_files/Presentation1.ppt Parascience - University of Malta]" (Microsoft Powerpoint Präsentation, 364 KB), bei: [http://www.um.edu.mt/ University of Malta]; Übersetzung ins Deutsche durch ''Atlantisforschung.de''</ref>
  
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Wir erkennen jetzt deutlich den Unsinn von Klassifizierungs-Ansätzen in Sachen 'Wissenschaftlichkeit', die ein angeblich "illusorisches Denken" von Forschern als Bewertungskriterium zugrunde legen. In der Wissenschaftsgeschichte wimmelt es nur so von "spinnerten" Ideen, deren Verfechter zunächst vom wissenschaftlichen Mainstream verlacht wurden, um sich schließlich doch mit ihren 'revolutionären' Neuerungen durchzusetzen. Ein interessantes Beispiel liefert uns hierzu etwa [http://de.wikipedia.org/wiki/Guglielmo_Marconi Guglielmo Marconi] (1874-1937), der Pionier drahtloser Telekommunikation.
  
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[[Bild:Marconi.jpg|thumb|'''Abb. 4''' Guglielmo Marconi]]
  
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Als [http://de.wikipedia.org/wiki/Guglielmo_Marconi Marconi] '''(Abb. 4)''' Ende des 19. Jahrhunderts mit seinen Versuchen zur transatlantischen Fern-Kommunikation auf Basis elektromagnetischer Wellen begann, löste er damit in der 'gelehrten Welt', insbesondere aber unter den zeitgenössischen Physikern, zunächst einmal eine Welle des Gelächters aus. Wusste dieser 'arme Irre' denn nicht, dass die Erde eine Kugel war, und dass Funkwellen sich geradlinig fortbewegen? Wie, bittesehr, sollte es also möglich sein per Funk, durch die für solche Wellen undurchdringliche Erdwölbung hindurch, eine Verbindung herzustellen? Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Guglielmo_Marconi Marconi] war also - nach heutiger Sprachregelung - ein echter "'''Para-'''" oder "[[Pseudowissenschaft]]ler", dessen Arbeit ganz eindeutig auf "''auf illusionärem Denken''" beruhte. Als es ihm am 12. Dezember 1901 dann doch, mittels der Funkwellen reflektierenden Eigenschaft der (der Wissenschaft bis dahin unbekannten) [http://de.wikipedia.org/wiki/Ionosph%C3%A4re Ionosphäre] gelang, von [http://de.wikipedia.org/wiki/Cornwall Cornwall] aus eine Empfangsstation in [http://de.wikipedia.org/wiki/Neufundland Neufundland] zu erreichen, hörte das Gelächter der 'Skeptiker' schlagartig auf.
  
"''... Konsistenz im weiteren Sinn bezieht sich auf den logischen, hermeneutischen, funktionalen oder ästhetischen Bestand eines Gegenstandes (z. B. eines Textes, eines Begriffs, einer Methode oder Technik, eines Werkzeugs oder eines Kunstwerks), der in sich stimmig ist, Sinn ergibt und keine inneren Widersprüche oder Spannungen aufweist, die seine Einheit gefährden.''"  
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Wir sehen: Ob die "Mehrheit der Wissenschaftler" ein neues Forschungsgebiet, eine unorthodoxe Hypothese bzw. neuartige Methoden ablehnt, sagt letztlich rein gar nichts über deren Sinn oder Unsinn, respektive über ihre Existenzberechtigung aus; oder, um mit den Worten eines großen 'professoralen Außenseiters' des Wissenschaftsbetriebs, des einstigen Wiener Ordinarius für Geologie, [[Atlantis, der Sintflut-Impakt und Nostradamus: Die Theorien von A. und E. Tollmann|Alexander Tollmann]] (1928-2007) zu sprechen: "''In der Wissenschaft wird nicht abgestimmt!''" <ref>[[Atlantis, der Sintflut-Impakt und Nostradamus: Die Theorien von A. und E. Tollmann|Alexander Tollmann]], "[http://books.google.de/books?id=XIxoAQAACAAJ&dq=Tollmann+Und+die+Wahrheit+siegt+schlie%C3%9Flich+doch Und die Wahrheit siegt schliesslich doch!]", Verlag Kritische Wissenschaft, 2003</ref>
  
Auf diese "feinsinnige" Unterscheidung lässt 
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Demzufolge sollte bei einer Definition von '''Parawissenschaften''' deutlich werden, dass sie nicht zuletzt aufgrund ihrer [http://de.wikipedia.org/wiki/Paradigma paradigmatischen] [http://de.wikipedia.org/wiki/Devianz Devianz] zu charakterisieren sind. Und tatsächlich werden wir auf der Suche nach einer derartigen Definition fündig:
  
* Nach Wikipedia bezieht sich der "''Ausdruck Parawissenschaften (griechisch para- „neben, darüber hinaus“) ''[...]'' auf Erkenntnisansprüche, die sich am Rande oder außerhalb der akademischen Wissenschaften befinden.[1] Dabei kann beschreibend oder wertend von >Parawissenschaften< gesprochen werden. Im ersten Fall bezieht sich der Ausdruck meist auf Auffassungen, Praktiken, Theorien oder Forschungsprogramme, für welche unentschieden ist, ob sie als Pseudowissenschaft oder als Protowissenschaft zu verstehen sind. Die wertende Verwendung meint meist einen Oberbegriff für einerseits Pseudowissenschaften und andererseits Ansprüche auf alternative Erkenntnisse, die selbst gerade keinen Anspruch erheben, überhaupt wissenschaftlich zu sein. Auch für letztere wird in dieser wertenden Verwendung ausgesagt, dass die dabei beanspruchten alternativen Erkenntnisse irrig seien''.[2]" <ref>Quelle: [http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite Wikipedia - Die freie Enzyklopädie], Stichwort: [http://de.wikipedia.org/wiki/Parawissenschaft Parawissenschaft] (Stand: 04.10.09)</ref>
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* Nach ''Martin Marheinecke'' sind '''Parawissenschaften''' nämlich "''Aussagensysteme, die die Kriterien der Wissenschaftlichkeit erfüllen, vor allem ihren eigenen Hypothesen gegenüber skeptisch sind, jedoch teilweise von anderen Paradigmen (Denkmustern, Welterklärungsmodellen) ausgeht als die wissenschaftliche Mehrheitsauffassung.''" <ref>Quelle: '''Martin Marheineke''', "[[An den Grenzen der Wissenschaft]]" (1999)</ref>  
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Marheineckes Definition ragt allerdings nicht nur aus diesem Grund hervor. Sie macht nämlich deutlich, dass '''Parawissenschaft'''
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Geradezu konservativ wirkt dagegen
  
 
* Dem britischen Lexikon ''Collins'' zufolge handelt es sich bei '''Parawissenschaft''' (orig.: '''parascience''') - ins Deutsche übersetzt - um "''das Studium von Gegenständen, die außerhalb des Bereichs traditioneller Wissenschaft liegen, weil sie nicht durch ''[eine]'' akzeptierte wissenschaftliche Theorie erklärt oder durch konventionelle wissenschaftliche Methoden überprüft werden können.''" <ref>Quelle: ''Collins'', Stichwort "'''parascience'''"; zit. nach: [http://dictionary.reverso.net/ Reverso Dictionary], unter: "[http://dictionary.reverso.net/english-definition/parascience parascience]" (Stand: 04.10.09). Im englischsprachigen Original: "''the study of subjects that are outside the scope of traditional science because they cannot be explained by accepted scientific theory or tested by conventional scientific methods''".</ref>
 
* Dem britischen Lexikon ''Collins'' zufolge handelt es sich bei '''Parawissenschaft''' (orig.: '''parascience''') - ins Deutsche übersetzt - um "''das Studium von Gegenständen, die außerhalb des Bereichs traditioneller Wissenschaft liegen, weil sie nicht durch ''[eine]'' akzeptierte wissenschaftliche Theorie erklärt oder durch konventionelle wissenschaftliche Methoden überprüft werden können.''" <ref>Quelle: ''Collins'', Stichwort "'''parascience'''"; zit. nach: [http://dictionary.reverso.net/ Reverso Dictionary], unter: "[http://dictionary.reverso.net/english-definition/parascience parascience]" (Stand: 04.10.09). Im englischsprachigen Original: "''the study of subjects that are outside the scope of traditional science because they cannot be explained by accepted scientific theory or tested by conventional scientific methods''".</ref>
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Nach ''Bohnert'' bzw. ''Resch'' lässt sich der Begriff '''Parawissenschaft''' also (weitgehend) auf solche Forschungsgebiete reduzieren, die sich mit sogenannten "paranormalen Phänomenen" beschäftigen. Insofern gibt es hier eine Begriffs-Überschneidung mit dem Terminus "[http://de.wikipedia.org/wiki/Paranormologie Paranormologie]", der 1969 von [http://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Resch Andreas Resch] "''zur Bezeichnung jener Grenzgebiete der Wissenschaft eingeführt''" wurde, "''deren Verlaufsstrukturen von den bekannten Naturprozessen bzw. den anerkannten Vorstellungsmustern der Deutung von Welt und Mensch abweichen oder abzuweichen scheinen.''" <ref>Quelle: [http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite Wikipedia - Die freie Enzyklopädie], Stichwort: [http://de.wikipedia.org/wiki/Paranormologie Paranormologie] (Stand: 05.10.09)</ref>  
 
Nach ''Bohnert'' bzw. ''Resch'' lässt sich der Begriff '''Parawissenschaft''' also (weitgehend) auf solche Forschungsgebiete reduzieren, die sich mit sogenannten "paranormalen Phänomenen" beschäftigen. Insofern gibt es hier eine Begriffs-Überschneidung mit dem Terminus "[http://de.wikipedia.org/wiki/Paranormologie Paranormologie]", der 1969 von [http://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Resch Andreas Resch] "''zur Bezeichnung jener Grenzgebiete der Wissenschaft eingeführt''" wurde, "''deren Verlaufsstrukturen von den bekannten Naturprozessen bzw. den anerkannten Vorstellungsmustern der Deutung von Welt und Mensch abweichen oder abzuweichen scheinen.''" <ref>Quelle: [http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite Wikipedia - Die freie Enzyklopädie], Stichwort: [http://de.wikipedia.org/wiki/Paranormologie Paranormologie] (Stand: 05.10.09)</ref>  
  
Eine unzulässige (und unzutreffende) Verallgemeinerung ist jedenfalls ''Marcel Bohnerts'' Behauptung: "''Parawissenschaftler verstehen sich als bewussten Gegenpol zur rein rationalistisch-materialistischen >Normalwissenschaft<''". Jedenfalls trifft sie wohl kaum auf Grenzwissenschaften zu, die sich mit keineswegs "paranormalen" Phänomenen befassen, wie etwa [http://de.wikipedia.org/wiki/Kryptozoologie Krypto-Zoologie], [[Krypto-Anthropologie]], [[Neo-Katastrophismus|neo-katastrophistische]] bzw. alternative Erd-, Menschheits- und Zivilisations-Geschichtsforschung (z.B. [[Atlantologie]] und [[Paläo-SETI und Atlantisforschung|Paläo-SETI]]-Forschung). Auf sie bezogen greift eher die letzte Definition, die wir hier vorstellen möchten:
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Eine unzulässige (und unzutreffende) Verallgemeinerung ist jedenfalls ''Marcel Bohnerts'' Behauptung: "''Parawissenschaftler verstehen sich als bewussten Gegenpol zur rein rationalistisch-materialistischen >Normalwissenschaft<''". Jedenfalls trifft sie wohl kaum auf Grenzwissenschaften zu, die sich mit keineswegs "paranormalen" Phänomenen befassen, wie etwa [http://de.wikipedia.org/wiki/Kryptozoologie Krypto-Zoologie], [[Krypto-Anthropologie]], [[Neo-Katastrophismus|neo-katastrophistische]] bzw. alternative Erd-, Menschheits- und Zivilisations-Geschichtsforschung (z.B. [[Atlantologie]] und [[Paläo-SETI und Atlantisforschung|Paläo-SETI]]-Forschung).
  
* Nach ''Martin Marheinecke'' sind '''Parawissenschaften''' nämlich "''Aussagensysteme, die die Kriterien der Wissenschaftlichkeit erfüllen, vor allem ihren eigenen Hypothesen gegenüber skeptisch sind, jedoch teilweise von anderen Paradigmen (Denkmustern, Welterklärungsmodellen) ausgeht als die wissenschaftliche Mehrheitsauffassung.''" <ref>Quelle: '''Martin Marheineke''', [[An den Grenzen der Wissenschaft]] (1999)</ref>
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Wir können nun jedenfalls feststellen, dass bei den oben vorgestellten repräsentativen Definitionen des Begriffs '''Parawissenschaft''' völlig uneinheitliche Vorstellungen zu Tage treten, womit wir es dabei eigentlich zu tun haben.  
  
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Die terminologische "Schwammigkeit" des Begriffs wird noch deutlicher bei einer etymologischen Betrachtung. So "''kann die Vorsilbe >Para-<''", wie der Wissenschaftshistoriker und -philosoph [[Dr. Horst Friedrich]] konstatiert, "''alles Mögliche bedeuten. Nach dem ''Collins'' erstens >''beyond''< (= jenseits, über ... hinaus), wie bei [http://de.wikipedia.org/wiki/Parapsychologie Parapsychologie], zweitens aber auch "''defective''" (= fehlerhaft, unvollkommen). Nach dem ''Duden'' kann drittens "''Para-''" auch "''gegen''" (Paralogie = Vernunftwidrigkeit), ja viertens sogar auch "''neben''" (etwa in [http://de.wikipedia.org/wiki/Paranthropus Paraanthropus], [http://www.umweltdatenbank.de/cms/lexikon/lexikon-p/parasit.html Parasit], [http://de.wikipedia.org/wiki/Parasympathikus Parasympathikus]) bedeuten. Soll man unter "[[Parawissenschaft]]en" also nun Disziplinen verstehen, die a) über die üblichen Wissenschaften hinausgehen, b) quasi unvollkommene Vorformen von Wissenschaft sind <ref>Red. Anmerkung: ...was unwahrscheinlich erscheint, da hierfür der wissenschafts-theoretisch weitaus präzisere [http://de.wikipedia.org/wiki/Terminus_technicus Terminus] "[[Protowissenschaft]]" als allgemein eingeführt gelten darf.</ref>, c) eine Art "Anti-Wissenschaft" darstellen oder d) die "offizielle" Wissenschaft als "Neben-Wissenschaften" ergänzen (wie [http://de.wikipedia.org/wiki/Paramilit%C3%A4r paramilitärische] Einheiten die regulären Truppen)? Oder alles gleichzeitig?''" <ref>[[Dr. Horst Friedrich|Horst Friedrich]], "[[Ist die Alchemie eine Pseudowissenschaft?]]", in: '''Karin Figala''' und '''Helmut Gebelein''' (Hrsg.): "[http://books.google.de/books?id=qrMcPQAACAAJ&dq=Hermetik+%26+Alchemie:+Betrachtungen+am+Ende+des+20.+Jahrhunderts Hermetik & Alchemie: Betrachtungen am Ende des 20. Jahrhunderts]", Gaggenau 2003, S. 111</ref>
  
  
  
Wir können nun jedenfalls abschließend feststellen, dass bei den oben vorgestellten repräsentativen Definitionen des Begriffs '''Parawissenschaft''' völlig uneinheitliche Vorstellungen zu Tage treten, womit wir es dabei eigentlich zu tun haben.
 
  
Die terminologische "Schwammigkeit" des Begriffs wird noch deutlicher bei einer etymologischen Untersuchung. So "''kann die Vorsilbe >Para-<''", wie der Wissenschaftshistoriker und -philosoph [[Dr. Horst Friedrich]] konstatiert, "''alles Mögliche bedeuten. Nach dem Collins erstens >beyond< (= jenseits, über ... hinaus), wie bei Parapsychologie, zweitens aber auch >defective< (= fehlerhaft, unvollkommen). Nach dem Duden kann drittens >Para-< auch >gegen< (Paralogie = Vernunftwidrigkeit), ja viertens sogar auch >neben< (etwa in Paraanthropus, Parasit, Parasympathikus) bedeuten. Soll man unter >Parawissenschaften< also nun Disziplinen verstehen, die a) über die üblichen Wissenschaften hinausgehen, b) quasi unvollkommene Vorformen von Wissenschaft sind [7], c) eine Art >Anti-Wissenschaft< darstellen oder d) die >offizielle< Wissenschaft als >Neben-Wissenschaften< ergänzen (wie paramilitärische Einheiten die regulären Truppen)? Oder alles gleichzeitig?''" <ref>[[Dr. Horst Friedrich|Horst Friedrich]], "[[Ist die Alchemie eine Pseudowissenschaft?]]", in: '''Karin Figala''' und '''Helmut Gebelein''' (Hrsg.): "[http://books.google.de/books?id=qrMcPQAACAAJ&dq=Hermetik+%26+Alchemie:+Betrachtungen+am+Ende+des+20.+Jahrhunderts Hermetik & Alchemie: Betrachtungen am Ende des 20. Jahrhunderts]", Gaggenau 2003, S. 111</ref>
 
  
  
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(2) [http://www.ndee.de/about.html Andreas Esau], "Urmensch", unter: http://www.ndee.de/zeichnung.html (Bildbearbeitung durch ''Atlantisforschung.de'')
 
(2) [http://www.ndee.de/about.html Andreas Esau], "Urmensch", unter: http://www.ndee.de/zeichnung.html (Bildbearbeitung durch ''Atlantisforschung.de'')
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(3) [http://commons.wikimedia.org/wiki/Main_Page Wikimedia Commons], unter: http://commons.wikimedia.org/wiki/Meteorite
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Siehe z.B.: '''Roland Dreger''', "[http://www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/news/parawissenschaften-an-der-universitat-wien/65/neste/32.html Parawissenschaften an der Universität Wien?]", bei: [http://www.dieuniversitaet-online.at/home.html Online-Zeitung der Universität Wien] (12. Mai 2003), oder bei der [http://www.um.edu.mt/ University of Malta]: "[http://home.um.edu.mt/biology/Society/interest_files/Presentation1.ppt Parascience - University of Malta]"
 
Siehe z.B.: '''Roland Dreger''', "[http://www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/news/parawissenschaften-an-der-universitat-wien/65/neste/32.html Parawissenschaften an der Universität Wien?]", bei: [http://www.dieuniversitaet-online.at/home.html Online-Zeitung der Universität Wien] (12. Mai 2003), oder bei der [http://www.um.edu.mt/ University of Malta]: "[http://home.um.edu.mt/biology/Society/interest_files/Presentation1.ppt Parascience - University of Malta]"
 
(Microsoft Powerpoint Präsentation, 364 KB)
 
(Microsoft Powerpoint Präsentation, 364 KB)
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"''... Konsistenz im weiteren Sinn bezieht sich auf den logischen, hermeneutischen, funktionalen oder ästhetischen Bestand eines Gegenstandes (z. B. eines Textes, eines Begriffs, einer Methode oder Technik, eines Werkzeugs oder eines Kunstwerks), der in sich stimmig ist, Sinn ergibt und keine inneren Widersprüche oder Spannungen aufweist, die seine Einheit gefährden.''"

Version vom 8. Oktober 2009, 08:02 Uhr

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Kritische Bemerkungen zur Definition und Diskussion eines
umstrittenen Begriffs

Abb. 1 Ley-Linien. Die Erforschung magnetisch lokalisierbarer Leys und Spiralen, wie an den Rollright Stones in England, ist eine typisch 'parawissenschaftliche' Thematik.

(bb) Bei dem Begriff "Parawissenschaft" handelt es sich um ein nebulöses, wissenschaftstheoretisch nicht präzise greifbares 'Mehr oder weniger'-Synonym für den Terminus "Grenzwissenschaft" [1], das im deutschen Sprachraum erst in den 1980er Jahren, vor allem durch die Aktivitäten der 'Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP)' popularisiert wurde. [2]

Zur Verdeutlichung der Diffusität dieses Begriffs seien hier zunächst mehrere gängige [3] Definitionen bzw. Begriffsbeschreibungen mit kommentierenden Anmerkungen des Verfassers genannt:

  • Bei der zur Skeptikerbewegung gehörenden "GWUP" hieß es über Parawissenschaft 1996: "Mit diesem Begriff bezeichnet man Aussagesysteme, bei denen der mehr oder minder starke Verdacht besteht, daß es sich um eine Pseudowissenschaft handelt." [4]

Diese kurze, an der Vorstellung einer generellen, zweifelsfreien Definier- und Unterscheidbarkeit von "Wissenschaft" und "Pseudowissenschaft" orientierte, Aussage stellt Parawissenschaft also als eine, nur vage mit der Bezeichnung "Aussagesystem" charakterisierte, Entität dar, die als tendentiell ("mehr oder weniger starker Verdacht") "pseudowissenschaftlich" zu BEWERTEN ist.

Sie orientiert sich am vorgeblichen Anspruch der GWUP, Parawissenschaften wissenschaftlich zu untersuchen (womit Außenstehende fast zwangsläufig die Vorstellung verbinden werden, entsprechende Untersuchungen dienten dem Ziel der Feststellung, ob es sich bei Parawissenschaften jeweils um 'wissenschaftliche' oder 'unwissenschaftliche' ""Aussagesysteme" handelt. Dies ergibt sich auch aus einer weiteren, leicht modifizierten, GWUP-Definition, die 1997 von Edgar Wunder [5] für eine Publikation dieser Vereinigung formuliert wurde.

  • Nach dieser Definition versteht man unter Parawissenschaften allgemein "Aussagensysteme, die explizit oder implizit den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit oder auf Überprüf- beziehungsweise Belegbarkeit mit Methoden der Wissenschaft stellen, bei denen jedoch der mehr oder minder starke Zweifel besteht, ob sie diesen Anspruch auch einlösen können". [6]

Halten wir kurz fest, dass Wunder hier zunächst den despektierlichen, terminologisch der Kriminologie und Jurisprudenz zuzurechnenden Begriff "Verdacht" aus der ersten Definition durch den objektiven Ausdruck "Zweifel" ersetzt hat, und dass jetzt deutlich wird, dass es

Inzwischen hat die GWUP übrigens durch eine weitaus "ehrlichere" Definition So erklärt Dr. Martin Mahner auf den offiziellen Internet-Seiten der GWUP jetzt:

Abb. 2 Bei den "Skeptikern" der GWUP werden Begriffe wie 'Parawissenschaft' und 'Pseudowissenschaft' als reine 'Verbalkeulen' eingesetzt, um damit Andersdenkende rhetorisch niederzuknüppeln. Echt steinzeitlich, wie wir finden!
  • "Eine Parawissenschaft (gr. para: neben) ist ein außerhalb der Wissenschaften (aber nicht unbedingt außerhalb des Universitätsbetriebes) angesiedelter Erkenntnisbereich, dessen Theorie und Praxis weitgehend auf illusionärem Denken beruhen. Damit kann der Anspruch eines solchen Erkenntnisunternehmens, verlässliches Wissen über Welt oder Mensch zu erlangen oder erlangt zu haben, nicht eingelöst werden. Demgegenüber können andere nichtwissenschaftliche Erkenntnisbereiche, wie etwa die Alltagserkenntnis, durchaus verlässliches Wissen produzieren. Wird neben dem einfachen Erkenntnisanspruch auch der Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhoben, bezeichnet man eine Parawissenschaft als Pseudowissenschaft." [7]

Mit dieser neuen Definition wird deutlich, dass Parawissenschaft aus "skeptischer" Sicht lediglich ein erweiterndes Quasi-Synonym zum Ausdruck Pseudowissenschaft darstellt. Mahner erklärt dies im folgenden auch selber ganz explizit: "In der Alltagssprache sowie in der internationalen Literatur ist das Wort >Pseudowissenschaft< (engl. pseudoscience) häufiger anzutreffen als >Parawissenschaft<, wobei es je nach Kontext im engeren oder weiteren Sinne verwendet wird. >Parawissenschaft< ist daher eine neuere, an die Bezeichnung >Parapsychologie< angelehnte Wortbildung, die es erlaubt, den Begriff >Pseudowissenschaft< auf seine engere Bedeutung zu beschränken. Für welche Terminologie man sich letztlich entscheidet, spielt keine Rolle, solange die Begriffe sinnvoll und konsistent definiert sind." [8]

Spätestens jetzt wird klar, dass es Dr. Mahner und seinen Gesinnungsfreunden bei der GWUP keineswegs darum geht, so genannte Parawissenschaften auf ihre Wissenschaftlichkeit hin zu untersuchen: Die Begriffe "Parawissenschaft und Pseudowissenschaft stellen vielmehr in ihren Händen reine 'Verbalkeulen' dar, mit denen sich wirksam auf alles einprügeln lässt, was sie für "illusionäres Denken" halten. Jedem wissenschaftsgeschichtlich auch nur halbwegs gebildeten Menschen müssen der Nonsens und die Subjektivität einer derartigen Definition geradezu ins Auge springen. Bei der University of Malta liefert man uns zwei prägnante Beispiele zur Illustration. Hier das erste:

  • "Im frühen 19. Jahrhundert gehörte es zum Konsens der Wissenschaftler jener Zeit, dass es im Weltraum keine Gesteinsbrocken gäbe. Daher wurden alle Entdeckungen oder Beobachtungen niedergegangener, eisenhaltiger Steine von der Hand gewiesen. Wusste doch jedermann, dass dies nur wertloser Aberglaube von Bauern war. Damals bewegten >Meteoriten< sich im selben Bereich von Pseudowissenschaft / Parawissenschaft, wie heute die Entführungen durch UFOs und Yeti-Sichtungen. Doch langfristig fand man heraus, dass die Auffassung des wissenschaftlichen Mainstreams schrecklich falsch war: Meteoriten waren keine Wahnvorstellung. Bedeutende Museen, die ihre >pseudowissenschaftlichen< Meteoriten-Sammlungen Mitte des 19. Jahrhunderts entsorgt hatten, bedauerten ihr voreiliges Handeln. War nun, bevor die wissenschaftliche Mehrheitsmeinung sich änderte, das Studium von Meteoriten eine Art Pseudowissenschaft? Nein, natürlich nicht. Die Gesteinsbrocken waren real, auch wenn ihre Existenz und ihr Studium als abergäubischer Unsinn verunglimpft wurden. Sie wurden [einfach] außerhalb der Grenzen wissenschaftlich akzeptierter Fakten gehalten. Meteoriten waren >Parawissenschaft<; sie waren noch-nicht-legitimierte Wissenschaft." [9]
Abb. 3 Mitte des 19. Jahrhunderts "wusste" man in der Welt der Wissenschaft, dass keine Steine vom Himmel fallen.

Wir bemerken hier zunächst die, fast 'zwischen den Zeilen' versteckte, Definition von Parawissenschaft als "noch-nicht-legitimierte Wissenschaft", welche sich offenbar - und das unterscheidet sie von den bisherigen, an einer wissenschaftsgeschichtlichen Betrachtungsweise orientiert. Allerdings stellt sich uns bei einer derartigen Verwendung des Begriffs die Frage, wo genau die Unterschiede zwischen "Parawissenschaft" und "Protowissenschaft" liegen sollen. Beide Termini würden ja eine im Werden begriffene Vorform "ausgereifter" 'Normalwissenschaft' im Sinne Thomas S. Kuhns [10] beschreiben. Sollten sie also das selbe meinen, wäre einer der beiden schlichtweg überflüssig; sollten sie aber nur ähnlich sein, stellt sich die Frage nach den Unterschieden in ihrer Bedeutung. Haben wir es beispielsweise bei "Parawissenschaft" mit quasi im "Embryonalstadium" befindlicher, bei "Protowissenschaft" dagegen mit "kindlicher" oder "jugendlicher" Wissenschaft" zu tun?

Doch kommen wir zurück zu unserem wissenschaftsgeschichtlichen Betrachtungsversuch des Definitions-Problems in Sachen Parawissenschaft, und widmen wir nun dem zweiten historischen Beispiel, das uns die Forscher der University of Malta vorstellen:

  • "Zur Jahrhundertwende [19./20. Jahrh.] galt die Herstellung von bemannten Flugmaschinen unter Verwendung zeitgenössischer Technologie als Unmöglichkeit. S. Newcomb hatte dies bewiesen, und die Scientific community betrachtete >Flugmaschinen<-Erfinder mit Verächtlichkeit. Demzufolge betrieben Langley und die Gebrüder Wright keine >Wissenschaft<, da die Dinge, die sie versuchten, als unmöglich bekannt waren. Kaum ein Wissenschaftler aus jener Zeit hätte ihre Bemühungen als etwas betrachtet, was mit legitimer Wissenschaft zu tun hat. Doch mit der Zeit erwies sich, dass der Konsens falsch war, und Aerodynamik wurde schließlich in der [wissenschaftlichen] Gemeinde willkommen geheißen. 1900 stand Aerodynamik also außerhalb der Grenzen vernünftiger Wissenschaft, sie war >Parawissenschaft<. Wenn hingegen die Naturgesetze nur ein klein wenig anders gewesen wären, und die Wrights sich zum Narren gemacht hätten, dann wären Flugzeuge noch heute ein Ding der Unmöglichkeit, und ihr Werk würde noch immer als Narretei, als >Pseudowissenschaft< klassifiziert werden." [11]

Wir erkennen jetzt deutlich den Unsinn von Klassifizierungs-Ansätzen in Sachen 'Wissenschaftlichkeit', die ein angeblich "illusorisches Denken" von Forschern als Bewertungskriterium zugrunde legen. In der Wissenschaftsgeschichte wimmelt es nur so von "spinnerten" Ideen, deren Verfechter zunächst vom wissenschaftlichen Mainstream verlacht wurden, um sich schließlich doch mit ihren 'revolutionären' Neuerungen durchzusetzen. Ein interessantes Beispiel liefert uns hierzu etwa Guglielmo Marconi (1874-1937), der Pionier drahtloser Telekommunikation.

Abb. 4 Guglielmo Marconi

Als Marconi (Abb. 4) Ende des 19. Jahrhunderts mit seinen Versuchen zur transatlantischen Fern-Kommunikation auf Basis elektromagnetischer Wellen begann, löste er damit in der 'gelehrten Welt', insbesondere aber unter den zeitgenössischen Physikern, zunächst einmal eine Welle des Gelächters aus. Wusste dieser 'arme Irre' denn nicht, dass die Erde eine Kugel war, und dass Funkwellen sich geradlinig fortbewegen? Wie, bittesehr, sollte es also möglich sein per Funk, durch die für solche Wellen undurchdringliche Erdwölbung hindurch, eine Verbindung herzustellen? Auch Marconi war also - nach heutiger Sprachregelung - ein echter "Para-" oder "Pseudowissenschaftler", dessen Arbeit ganz eindeutig auf "auf illusionärem Denken" beruhte. Als es ihm am 12. Dezember 1901 dann doch, mittels der Funkwellen reflektierenden Eigenschaft der (der Wissenschaft bis dahin unbekannten) Ionosphäre gelang, von Cornwall aus eine Empfangsstation in Neufundland zu erreichen, hörte das Gelächter der 'Skeptiker' schlagartig auf.

Wir sehen: Ob die "Mehrheit der Wissenschaftler" ein neues Forschungsgebiet, eine unorthodoxe Hypothese bzw. neuartige Methoden ablehnt, sagt letztlich rein gar nichts über deren Sinn oder Unsinn, respektive über ihre Existenzberechtigung aus; oder, um mit den Worten eines großen 'professoralen Außenseiters' des Wissenschaftsbetriebs, des einstigen Wiener Ordinarius für Geologie, Alexander Tollmann (1928-2007) zu sprechen: "In der Wissenschaft wird nicht abgestimmt!" [12]

Demzufolge sollte bei einer Definition von Parawissenschaften deutlich werden, dass sie nicht zuletzt aufgrund ihrer paradigmatischen Devianz zu charakterisieren sind. Und tatsächlich werden wir auf der Suche nach einer derartigen Definition fündig:

  • Nach Martin Marheinecke sind Parawissenschaften nämlich "Aussagensysteme, die die Kriterien der Wissenschaftlichkeit erfüllen, vor allem ihren eigenen Hypothesen gegenüber skeptisch sind, jedoch teilweise von anderen Paradigmen (Denkmustern, Welterklärungsmodellen) ausgeht als die wissenschaftliche Mehrheitsauffassung." [13]

Marheineckes Definition ragt allerdings nicht nur aus diesem Grund hervor. Sie macht nämlich deutlich, dass Parawissenschaft

Geradezu konservativ wirkt dagegen

  • Dem britischen Lexikon Collins zufolge handelt es sich bei Parawissenschaft (orig.: parascience) - ins Deutsche übersetzt - um "das Studium von Gegenständen, die außerhalb des Bereichs traditioneller Wissenschaft liegen, weil sie nicht durch [eine] akzeptierte wissenschaftliche Theorie erklärt oder durch konventionelle wissenschaftliche Methoden überprüft werden können." [14]
  • Bei Marcel Bohnert heißt es: "Zu den Parawissenschaften zählen unter anderem Disziplinen wie Astrologie, Parapsychologie, Homöopathie und Psychotronik. [15] Hier geht es vor allem darum, unerklärte Phänomene unter Zuhilfenahme anerkannter wissenschaftlicher Methoden zu untersuchen. Resch beschreibt sie treffend als >die Wissenschaft von den Paranormalen [Grenz-]Phänomenen<[16]. Parawissenschaftler verstehen sich als bewussten Gegenpol zur rein rationalistisch-materialistischen >Normalwissenschaft< und sind einer großen Akzeptanzproblematik innerhalb der >scientific community< ausgesetzt. Dennoch gibt es vereinzelt Institute, Lehrstühle und Vereine, die diese Form der Wissenschaft institutionell verankern." [17]

Nach Bohnert bzw. Resch lässt sich der Begriff Parawissenschaft also (weitgehend) auf solche Forschungsgebiete reduzieren, die sich mit sogenannten "paranormalen Phänomenen" beschäftigen. Insofern gibt es hier eine Begriffs-Überschneidung mit dem Terminus "Paranormologie", der 1969 von Andreas Resch "zur Bezeichnung jener Grenzgebiete der Wissenschaft eingeführt" wurde, "deren Verlaufsstrukturen von den bekannten Naturprozessen bzw. den anerkannten Vorstellungsmustern der Deutung von Welt und Mensch abweichen oder abzuweichen scheinen." [18]

Eine unzulässige (und unzutreffende) Verallgemeinerung ist jedenfalls Marcel Bohnerts Behauptung: "Parawissenschaftler verstehen sich als bewussten Gegenpol zur rein rationalistisch-materialistischen >Normalwissenschaft<". Jedenfalls trifft sie wohl kaum auf Grenzwissenschaften zu, die sich mit keineswegs "paranormalen" Phänomenen befassen, wie etwa Krypto-Zoologie, Krypto-Anthropologie, neo-katastrophistische bzw. alternative Erd-, Menschheits- und Zivilisations-Geschichtsforschung (z.B. Atlantologie und Paläo-SETI-Forschung).

Wir können nun jedenfalls feststellen, dass bei den oben vorgestellten repräsentativen Definitionen des Begriffs Parawissenschaft völlig uneinheitliche Vorstellungen zu Tage treten, womit wir es dabei eigentlich zu tun haben.

Die terminologische "Schwammigkeit" des Begriffs wird noch deutlicher bei einer etymologischen Betrachtung. So "kann die Vorsilbe >Para-<", wie der Wissenschaftshistoriker und -philosoph Dr. Horst Friedrich konstatiert, "alles Mögliche bedeuten. Nach dem Collins erstens >beyond< (= jenseits, über ... hinaus), wie bei Parapsychologie, zweitens aber auch "defective" (= fehlerhaft, unvollkommen). Nach dem Duden kann drittens "Para-" auch "gegen" (Paralogie = Vernunftwidrigkeit), ja viertens sogar auch "neben" (etwa in Paraanthropus, Parasit, Parasympathikus) bedeuten. Soll man unter "Parawissenschaften" also nun Disziplinen verstehen, die a) über die üblichen Wissenschaften hinausgehen, b) quasi unvollkommene Vorformen von Wissenschaft sind [19], c) eine Art "Anti-Wissenschaft" darstellen oder d) die "offizielle" Wissenschaft als "Neben-Wissenschaften" ergänzen (wie paramilitärische Einheiten die regulären Truppen)? Oder alles gleichzeitig?" [20]




Anmerkungen und Quellen

  1. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de das Stichwort "Grenzwissenschaft" (Definition II des Begriffs)
  2. Quelle zu Ursprung und Popularisierung des Ausdrucks "Parawissenschaft": Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, Stichwort: Parawissenschaft (Stand: 05.10.09); bei Wikipedia bezieht man sich diesbezüglich auf: Skeptiker-Netzwerk (2008) sowie E. Wunder: Parawissenschaft – was ist das? In: Skeptiker. Band 10, 1997, S. 125–130
  3. Anmerkung: Auf die Erwähnung subjektiver terminologischer 'Neuerfindungen' des Begriffs wurde hier aus nahe liegenden Gründen verzichtet. Als exemplarisch für derartige "Definitionen" von Parawissenschaft sei hier jedenfalls folgendes Beispiel genannt: Parawissenschaft "...versucht unseren Kosmos allumfassend und anschaulich zu beschreiben. Sie integriert auch Phänomene, die von den Naturwissenschaften nicht befriedigend oder überhaupt nicht erklärt werden können. Ich zergliedere in mehrere Kategorien, wobei die Grenzen fließend sind: Paratheologie, Paraphysik, Paramedizin etc. Den Begriff der Parapsychologie benötige ich bei meiner Weltanschauung nicht." (sic!!!; bb) - Quelle: Peter Lay, "Das große Freie Energie Experimentier Handbuch", Franzis Verlag, 2004, S. 110
  4. Quelle: "GWUP - Wir stellen uns vor" (Broschüre der GWUP), Roßdorf 1996, S. 26
  5. Anmerkung: Edgar Wunder hat die GWUP zwischenzeitlich unter Protest gegen die sektiererisch-scheinwissenschaftlichen Umtriebe in dieser Organisation verlassen, und gehört zu den Gründern der Gesellschaft für Anomalistik Zu Wunders Kritik an der GWUP siehe sein Papier: "Das Skeptiker-Syndrom: Eine Analyse von Edgar Wunder...", bei psychophysik.com
  6. Quelle: E. Wunder, ""Parawissenschaft – was ist das?", in: Skeptiker. Band 10, 1997, S. 125–130
  7. Quelle: Dr. Martin Mahner, "Parawissenschaft - Pseudowissenschaft", bei GWUP Die Skeptiker
  8. Quelle: ebd.
  9. Quelle: "Parascience - University of Malta" (Microsoft Powerpoint Präsentation, 364 KB), bei: University of Malta; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de
  10. Siehe: Thomas S. Kuhn, "Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen", Suhrkamp 1967
  11. Quelle: "Parascience - University of Malta" (Microsoft Powerpoint Präsentation, 364 KB), bei: University of Malta; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de
  12. Alexander Tollmann, "Und die Wahrheit siegt schliesslich doch!", Verlag Kritische Wissenschaft, 2003
  13. Quelle: Martin Marheineke, "An den Grenzen der Wissenschaft" (1999)
  14. Quelle: Collins, Stichwort "parascience"; zit. nach: Reverso Dictionary, unter: "parascience" (Stand: 04.10.09). Im englischsprachigen Original: "the study of subjects that are outside the scope of traditional science because they cannot be explained by accepted scientific theory or tested by conventional scientific methods".
  15. Vergl. Gerald L. Eberlein, "Schulwissenschaft - Parawissenschaft - Pseudowissenschaft", Stuttgart 1991, S. 7
  16. Siehe: Resch 1991, S. 119
  17. Quelle: Marcel Bohnert, „Verlorengegangene Ethik? Betrug und Fälschung in der Wissenschaft“, GRIN Verlag, 2007, S. 8
  18. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, Stichwort: Paranormologie (Stand: 05.10.09)
  19. Red. Anmerkung: ...was unwahrscheinlich erscheint, da hierfür der wissenschafts-theoretisch weitaus präzisere Terminus "Protowissenschaft" als allgemein eingeführt gelten darf.
  20. Horst Friedrich, "Ist die Alchemie eine Pseudowissenschaft?", in: Karin Figala und Helmut Gebelein (Hrsg.): "Hermetik & Alchemie: Betrachtungen am Ende des 20. Jahrhunderts", Gaggenau 2003, S. 111


Bild-Quellen

(1) William R. Corliss, "Archäologie in Großbritannien: Abweichler von der Parteilinie"

(2) Andreas Esau, "Urmensch", unter: http://www.ndee.de/zeichnung.html (Bildbearbeitung durch Atlantisforschung.de)

(3) Wikimedia Commons, unter: http://commons.wikimedia.org/wiki/Meteorite


Siehe z.B.: Roland Dreger, "Parawissenschaften an der Universität Wien?", bei: Online-Zeitung der Universität Wien (12. Mai 2003), oder bei der University of Malta: "Parascience - University of Malta" (Microsoft Powerpoint Präsentation, 364 KB)


"... Konsistenz im weiteren Sinn bezieht sich auf den logischen, hermeneutischen, funktionalen oder ästhetischen Bestand eines Gegenstandes (z. B. eines Textes, eines Begriffs, einer Methode oder Technik, eines Werkzeugs oder eines Kunstwerks), der in sich stimmig ist, Sinn ergibt und keine inneren Widersprüche oder Spannungen aufweist, die seine Einheit gefährden."